

Die Künstlerin über sich selbst
Matisse sagte : "Wollen Sie malen ? Dann müssen Sie sich zunächst
die Zunge abschneiden denn von nun an sollen Sie sich nur noch mit Pinseln
ausdrücken."
Deshalb bin ich der Ansicht, dass ein Maler es schwer hat, von seiner
Arbeit zu sprechen. Es fällt ihm noch schwerer, sich nach einer Gattung,
einem Stil oder einer Tendenz zu richten.
Ich will doch versuchen, einige Überlegungen über die Praxis
eines Vergnügens zu sammeln, obwohl letzteres schmerzlich sein kann.
Ich reise möglichst viel, um von Stimmungen, Farben, Rhythmen aus
der wetterwendischen Natur durchdrungen zu werden.
Sind meine Reiseerinnerungen reif genug, dann kann ich das malen, was
ich empfinde und ich bediene mich dabei einer Skizze oder eines Fotos,
das an Ort und Stelle aufgenommen wurde.
Meine Motive sind sehr verschieden und themenorientiert. Die Ausführung
hängt vom Motiv oder vom benutzten Material ab, was Farbe und Pinselstrich
betrifft.
Dann ist alles möglich. In der Malerei geht es nicht um eine literarische
oder philosophische Botschaft sondern um einen Freiheitsraum, der eine
Kommunikation ermöglicht.
Die Macht des Malers oder der Malerin besteht darin, dass er oder sie
streichen, einfügen, versetzen, umgestalten kann, je nach Lust und
Sensibilität.
Was die Ölmalerei betrifft, lege ich viel Wert auf die Vorbereitung
des Leinens ; Dann mache ich eine Skizze mit sehr verdünnter Farbe
und je nach den Motiven benutze ich Pinsel oder Messer verschiedener Größen
und manchmal sogar nur die Finger.
Nicht alles sagen, das Wesentliche unterstreichen, aber das Richtige sagen,
mit Hilfe des Materials und der Farbe für das Vergnügen der
Gebärde und der Augen in einer bestimmten Harmonie.
Bénédicte POUSSIN-JULIEN
November, 2002

